Tradition – Gegenwart trifft Vergangenheit

Great Wall of ChinaTraditionen sind etwas, das sich einbrennt ins kollektive Gedächtnis. Etwas, das über Generationen hin bewahrt wird und auch lange nach ihrer Gründung Bestand hat. Über viele dieser Traditionen kann man heute lächeln und einige Traditionen sind abgeschafft, ausradiert worden. Viele aber widerstehen aber auch dem Zahn der Zeit und dem modernen, oft als fortschrittlich angesehenen, Denken.Es gibt lustige Traditionen und ernsthafte, rüpelhaft anmutende und schöne. Traditionen sind auch immer wieder Basis eines Romans oder eines Films. So bei dem 2005 erschienenen Roman Der Seidenfächer, kürzlich verfilmt von dem chinesischen Regisseur Wayne Wang. Als Grundlage dieses Dramas ist eine alte chinesische Tradition

Von den Sternen und der Astrologie geleitet, suchten in der Vergangenheit Eltern in der chinesischen Provinz Hunan ihren Töchtern eine beste Freundin. Wie eine Ehe und familiäre Bande konnte diese Freundschaft vom Schicksal bestimmt lange Jahre halten und sogar soziale Ungleichheit und unterschiedliche Stände überbrücken. Solch eine Freundschaft führen die beiden Protagonisten des Films, Sophia und Nina. Letztere ist auf dem Sprung von Shanghai nach New York, um ihrer Karriere neuen Aufwind zu geben, während sie von dem Verkehrsunfall ihrer Freundin hört, der diese ins Koma fallen lässt.

Der Film verbindet gekonnt die Handlungsstränge der Gegenwart mit der Vergangenheit. Man erfährt wie alles in dieser Freundschaft begann. Ihre Abreise verschiebend sucht Nina die Freundin im Krankenhaus auf und erinnert sich an ihre gemeinsame Zeit. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, diese Beziehung zu interpretieren. Handelt es sich um eine tiefe Freundschaft, oder gar um eine unterdrückte Liebesbeziehung? Das Hin- und Hergleiten zwischen den Zeiten verdeutlicht nicht nur die Beziehung der beiden zueinander, sondern zeichnet ebenso ein tragisches Bild der Veränderungen im Reich der Mitte – gestern und heute, ein enormer Sprung.

Genau in dieser Doppelgleisigkeit liegt jedoch auch die Schwäche des Films. Denn es fällt schwer, sowohl der einen als auch der anderen Handlung in ihrer eigenen Geschwindigkeit und Bewegung zu folgen. Vielmehr bekommt man das Gefühl zwei Geschichten zu erleben.

Foto: Great Wall of China von matt512; CC-BY

 

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