Mit Tiefgang und Humor

Wieder ist es mal gelungen, einen Film mit Tiefgang und gesellschaftskritischer Schärfe zu produzieren, ohne die Grenze zum Kitsch zu überschreiten. Die französische Tragiekomödie „Das Leben gehört uns“ scheint auf den ersten Blick alles zu enthalten, um eben genau jenen Kitsch zu produzieren. Doch der Schein trügt.

Die erste kitschige Anwandlung überkommt den Zuschauer, wenn ihm die Protagonisten vorgestellt werden. Romeo und Juliette sind ihre Namen. Viel zu oft wurden diese beiden sich Liebenden aus Shakespears gleichnamigenm Drama von der Filmindustrie bereits in eine Geschichte gepackt und in Farbe an Kinoleinwände gekleistert.

Jeder Kunstgriff ist Mittel zum Zweck

Doch die ängstlichen Vermutungen des Betrachters werden bereits am Anfang zerstreut. Beim ersten Kennenlernen bringt diese offensichtliche Verbindung zu dem Drama selbst die Protagonisten zum Lachen. Diese Tatsache veranlasst den Zuschauer, ebenfalls schnell seine Vorurteile zu begraben und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die persönliche Geschichte der beiden Charaktere.

Denn aus der anfänglichen Komödie entwickelt sich bald schon eine Tragödie. Ihr gemeinsames Kind stellt sie vor ungeahnte Herausforderungen. Es zeigt sich, dass es sich unterschiedlich zu anderen Kindern entwickelt, und im Laufe der Handlung stellt sich heraus, dass es an einem Gehirntumor leidet. Der gemeinsame Kampf zeigt den Eltern nun die andere Seite des Lebens – die grausame, hilflose.

Die ganz persönliche Tragödie

Neben der absolut bestechenden Form der Schauspieler, welche bis vor einiger Zeit im richtigen Leben ebenfalls liiert waren, bewirkt die typisch französische Leichtigkeit der Kombination von Farbe, Ton und Sprache, dass das Kitschgefühl sich immer mehr verabschiedet. Realisiert man, dass die beiden Schauspieler, welche neben der Darstellung der Rollen das Drehbuch geschrieben und auch Regie geführt haben, mit diesem Film einen Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte verewigt haben, dann spätestens erinnert nichts mehr an eventuelle überbrodelnde Emotionen.

Die Darstellung des Leidens auf eine humoristische Weise zu schaffen und mit dem riskanten Spiel zwischen Musik und Bildern immer genau den richtigen Ton getroffen zu haben, zeichnet dieses Werk aus.

Foto: Buche von Roberto Verzo, CC-BY

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